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Gestresste Sommerhaut: „Großbrand” am Baggersee

Endlich Sommer, endlich Sonne! Uns zieht es nach draußen, zu Sport, zum Baden oder einfach nur zum Faulenzen. Wer sich nicht richtig schützt, hat mit unangenehmen Reaktionen zu kämpfen, etwa einem Sonnenbrand oder einer „Sonnenallergie”. Packen Sie deshalb die richtigen Pflegeprodukte aus Ihrer Apotheke ein.


Die Sonne – ein Stern mit Licht- und Schattenseiten. Ihre Strahlung enthält neben sichtbaren Anteilen kurzwellige UV-A- und UV-B-Komponenten. Sie führen in der Haut u.a. zur Bildung von Vitamin D-Verbindungen. Wir fühlen uns in der Helligkeit auch gleich viel besser. Wer sich richtig schützt, kann sein Risiko für übermäßige Hautalterung, Sonnenbrand und Hautkrebs senken. Das belegen australische Langzeitstudien. 

Sonnenbrand: Haut in Flammen

Sollten Sie zu viel Sonne abbekommen haben, beginnt die Haut unangenehm zu schmerzen. UV-B-Anteile schädigen das Erbgut in Zellkernen. Unser Körper reagiert mit Entzündungen. Was tun? 

Gehen Sie unbedingt in den Schatten und trinken Sie ausreichend viel. Um die Beschwerden zu lindern, haben sich feuchte Umschläge mit 32 bis 35° C kühlem Wasser bewährt. Dermatologen raten von früher oft empfohlenen Joghurt- oder Topfenwickeln aufgrund der darin enthaltenen Bakterien ab. Eiskompressen reizen die geschundene Haut zu stark und sollten ebenfalls besser nicht zum Einsatz kommen.

In Ihrer Apotheke erhalten Sie mit einer ärztlichen Verordnung Präparate mit Hydrocortison zum Auftragen. Keine Angst, der Arzneistoff wirkt schwach, ohne die Nebenwirkungen von Tabletten. Hydrocortison lindert vor allem die Entzündungen. Möglichst bald aufgetragen, nimmt die Haut weniger Schaden als ohne Behandlung.

Da sonnenbrandgeschädigte Haut mehr Wasser verliert, raten Apotheker außerdem zu Pflegeprodukten auf Basis einer Öl-in-Wasser-Emulsion. Diese wirken angenehm kühlend. Schaumsprays sind für geschädigte Haut wie geschaffen. 

„Sonnenallergie”: Unser Immunsystem spielt verrückt

Vom gleichmäßigen Sonnenbrand unterscheidet sich die „Sonnenallergie” schon auf den ersten Blick. Stunden bis Tage nach dem Sonnenbad beginnen einzelne Hautpartien zu jucken, und fleckige Rötungen entstehen. Dermatologen bezeichnen das Krankheitsbild als polymorphe Lichtdermatose. Es handelt sich nicht um eine Allergie im Sinne des Wortes, da es bisher nicht gelungen ist, ein Allergen dingfest zu machen. Forscher fanden Hinweise, dass UV-Anteile im Sonnenlicht die Immunabwehr unserer Haut schwächen. Durch den oxidativen Stress entstehen außerdem freie Radikale. Beide Vorgänge führen zu juckenden Flecken auf der Haut. Davon ist in Österreich mehr als jeder Zehnte betroffen, Frauen häufiger als Männer.

Zur Behandlung einer akuten Lichtdermatose ist Sonnenkarenz dringend erforderlich. Hydrocortison wirkt entzündungshemmend, der Juckreiz wird gelindert. Antihistaminika können die Beschwerden ebenfalls abmildern. Nach wenigen Tagen ist der Spuk vorbei, etliche Patienten gewöhnen sich während des Sommers an die UV-Strahlung. Wer sein Risiko bereits aus früheren Zeiten kennt, profitiert schon zu Beginn der hellen Jahreszeit von einem Produkt mit Lichtschutzfaktor 50+. Hier wird die schädliche UV-A-Strahlung bestmöglich herausgefiltert. Ansonsten schützt Vitamin E vor freien Radikalen. Bei sehr seltenen, schweren Fällen setzen Hautärzte auf eine vorbeugende Phototherapie unter kontrollierten Bedingungen. 

„Mallorca-Akne”: Gutes Wetter, schlechte Haut

Nicht zuletzt quälen sich vor allem Frauen, die in ihrer Jugend bereits Akne hatten, mit einer besonderen Form der Lichtdermatose. Bei ihnen bilden sich im Urlaub akneartige, stark juckende Pusteln und Knötchen – speziell an Regionen mit vielen Talgdrüsen. Diese „Mallorca-Akne” kommt in Österreich praktisch nicht vor, kann uns die Urlaubsstimmung in sonnigeren Gefilden aber gründlich vermiesen.

Was im Körper passiert, haben Forscher mittlerweile geklärt. Das Krankheitsbild entsteht durch fettreiche Sonnenschutzmittel in Kombination mit UV-A-Strahlung. Reaktive Sauerstoffverbindungen reizen unsere Talgdrüsen, und Entzündungen folgen. Verwenden Sie deshalb Sonnenschutzprodukte auf Gelbasis oder mit wässrig-alkoholischer Grundlage, aber ohne Fette bzw. Emulgatoren. Das gilt auch für Kosmetika oder After-Sun-Produkte. Die Erkrankung heilt nach Vermeidung der Sonnenexposition inklusive Verwendung geeigneter Produkte von selbst ab.

Selten, aber gefährlich: Lichturtikaria

Treten schon wenige Minuten nach dem Kontakt mit Sonnenlicht blassrote Schwellungen auf, die zu stark juckenden Quaddeln werden, spricht viel für Lichturtikaria (Urticaria solaris). Für diese Reaktion sind Entzündungsstoffe wie Histamin verantwortlich. Im Extremfall kann es sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Experten empfehlen, starkes Sonnenlicht zu meiden und die Haut zu schützen. Wer besonders stark reagiert, erhält vom Arzt möglicherweise Kortison in Tablettenform. Auch eine kontrollierte Bestrahlung wird empfohlen.

Arzneimittel: Besser nachfragen!

Nicht zuletzt ein Blick auf Arzneimittel. Manche Pharmaka reagieren mit intensivem UV-Licht. Betroffene bekommen leichter einen Sonnenbrand, als zu erwarten wäre. Diese phototoxischen Reaktionen kennen Apotheker u.a. von Antibiotika, von „harntreibenden” Medikamenten wie Furosemid oder Hydrochlorothiazid, von Arzneimitteln für´s Herz wie Amiodaron und vielen anderen. Fragen Sie im Zweifelsfall bei Ihrem Apotheker nach; setzen Sie Ihre Medikation aber niemals ab. Auch hier lindern Kühlen, kortisonhaltige Cremes oder Antihistaminika die Beschwerden.