Lind ApothekeLind Apotheke

dieApotheke -Magazin

So funktionierts: Rheuma und Sport

Wer an Rheuma denkt, verbindet dies oft mit alten Menschen, die verformte und steife Gelenke haben und sich kaum noch bewegen können. In Wirklichkeit stecken hinter dem Oberbegriff „Rheuma“ aber mehr als 400 verschiedene Krankheiten an unserem Bewegungsapparat, die vom Säuglingsbis ins Greisenalter auftreten können.


Das Spektrum rheumatischer Leiden ist sehr groß. Abnützungen der Gelenke und Wirbelsäule, Entzündungen mit geschwollenen Gelenken oder schmerzhafte Sehnenansätze gehören genauso zum Rheumatischen Formenkreis wie Autoimmunerkrankungen oder globale Muskelschmerzen am ganzen Körper. Viele Erkrankungen haben dabei ein bevorzugtes Alter. Während ältere Menschen eher an Abnützungen und Verschleißerscheinungen leiden, treten bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen vermehrt Entzündungen und Autoimmunphänomene an Gelenken, Wirbelsäule, Muskeln und Sehnen auf. Eine rasche Diagnose und Therapie sind dabei besonders wichtig, um bleibende Schäden am Bewegungsapparat abzuwenden.

Die zweite weit verbreitete Fehlmeinung bei Rheuma liegt in der Annahme, dass sich Rheumatiker wenig bewegen sollen, damit die Gelenke nicht zu stark belastet werden. Doch das ist ein großer Irrtum. Denn dutzende wissenschaftliche Studien haben eindeutig gezeigt, dass Sport und Bewegung die Entzündungsaktivität und damit den Krankheitsverlauf bei vielen rheumatischen Leiden äußerst positiv beeinflussen.

Früherkennung und Therapie

Dank des rasanten wissenschaftlichen Fortschritts in den letzten Jahren hat sich die Situation für Rheumatiker generell deutlich verbessert. Neue Diagnosekriterien und Untersuchungen erlauben eine frühe Erkennung bei Rheuma. Der gezielte schnelle Einsatz von hervorragenden modernen Medikamenten lässt in vielen Fällen die Entzündung sogar komplett stoppen. Das Ziel bei rheumatischen Entzündungen wie der Rheumatoiden Arthritis (früher Chronische Polyarthritis genannt) oder der Psoriasisarthritis (Kombination Schuppenflechte mit Gelenksentzündung) und Wirbelsäulenentzündungen wie dem Bechterew ist heutzutage das Erzielen einer kompletten Remission; also ein Zustand, bei dem keine entzündliche Aktivität nachzuweisen ist. Um dieses Ziel zu erreichen, können wir selbst auch viel beitragen. Die Früherkennung bei rheumatischen Entzündungen besonders wichtig. Wer länger als drei Wochen an unklaren Gelenksbeschwerden leidet, sollte einen Rheumaspezialisten aufsuchen. Geschwollene Gelenke, die hitzen und gerötet sind, die steif, unbeweglich und kraftlos sind, deuten immer auf eine schwere Entzündung hin. Typisch bei Rheuma sind auch eine Morgensteifigkeit, die Stunden andauern kann, sowie der „Begrüßungsschmerz“, wenn ein kräftiger Händedruck fast immer starke Schmerzen verursacht. Der Rheumatologe stellt anhand der vorliegenden Symptome die Diagnose. Diverse Bluttests mit Bestimmung von Rheumafaktoren, Röntgenuntersuchungen, Gelenksultraschall und Magnetresonanztomographie bestätigen die Diagnose. Weiters spielen verschiedene Lebensstilfaktoren wie Rauchen, zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung und Übergewicht bei der Entstehung und Auslösung rheumatischer Entzündungen eine große Rolle und können auch den Therapieerfolg bei rheumatischen Erkrankungen deutlich reduzieren. Unser Lifestyle kann also erheblich zum Therapieerfolg beitragen.

Bewegen Sie sich!

Vor allem Sport, regelmäßige Bewegung und körperliche Aktivität wirken sich laut allen wissenschaftlichen Studien sowohl auf Entzündung, Schmerz und Krankheitsverlauf bei Arthritis als auch auf das körperliche und seelische Wohlbefinden äußerst günstig aus. Zum Teil ist dieser Effekt auf die erhöhte Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormone) bei Sport zurückzuführen. Dies hat zugleich einen antidepressiven Effekt und wirkt dadurch der häufigsten Begleiterkrankung bei Rheuma, nämlich einer Depression, entgegen. Schon 150 Minuten Sport pro Woche wirken antidepressiv. Sport stärkt außerdem unsere Muskeln und verbessert Beweglichkeit und Gleichgewicht. Eine starke Muskulatur schont unsere Gelenke und wirkt wie ein Stoßdämpfer, indem die Belastung auf das Gelenk verringert wird. Gleichzeitig werden kardiovaskuläre Risikofaktoren wie hoher Blutdruck und Blutfette reduziert. Außerdem werden das Immunsystem und die Stressresistenz gestärkt und dem natürlichen Abbau von Muskel- und Knochenmasse vorgebeugt. Auch die bei Rheumapatienten oft vorhandene bleierne Müdigkeit und Erschöpfung werden durch Sport wesentlich gebessert. Darüber hinaus lässt sich durch Bewegung leichter Übergewicht abbauen, das unsere Gelenke zusätzlich belastet. Gerade zu Beginn sollte man den Körper allerdings nicht überfordern. Sport sollte immer an den allgemeinen Gesundheits- und individuellen Trainingszustand angepasst werden. Daher reichen am Beginn oft schon längere Spaziergänge und Gymnastik aus. Das Training sollte dann sukzessive gesteigert werden. Bei der Auswahl der Sportart ist der Zustand der Gelenke bei Rheumapatienten entscheidend, und das Verletzungsrisiko sollte gering sein. Sprechen Sie, bevor Sie loslegen, mit Ihrem behandelnden Rheumatologen über Ihre Vorstellungen. Er kann gemeinsam mit Ihnen einen Trainingsplan erstellen. Vor Sportbeginn sollten immer auch einige internistische Untersuchungen wie ein Herz-Kreislauf-Belastungstest, ein Herzultraschall und eine Lungenfunktion durchgeführt werden, um die sportliche Eignung zu testen.

Sport, aber gelenkschonend

Gelenkschonende Sportarten wie Walking, Nordic Walking, Radfahren (auch Hometrainer), Skilanglauf, Schwimmen, Wandern, moderates Krafttraining oder Tanzen sind auch für Patienten mit bereits vorgeschädigten Gelenken und für ältere geeignet. Auch Aquagymnastik und zügiges Gehen im schultertiefen Wasser (Aquajogging) fordern unsere Muskeln extrem heraus. Durch den Auftrieb im Wasser werden die Gelenke aber kaum belastet. Junge Rheumatiker können natürlich auch intensive Sportarten wie Skifahren, Windsurfen, Mountainbiken oder Klettern auswählen. Bei einem Rheumaschub mit hoher Entzündung muss man allerdings zurückstecken. Hier sollte rasch medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Beim Krafttraining sollte der ganze Körper miteinbezogen und besonders die Hüft-Beckenregion stabilisiert werden. Am effektivsten ist die Kombination von Ausdauer- und Krafttraining. Ausdauersportarten sollten Sie drei- bis fünfmal die Woche zwischen 30 und 60 Minuten lang durchführen, Krafttraining an Maschinen, mit freien Gewichten, Therabändern oder Seilzügen zumindest zweimal pro Woche. Wiederholen Sie die Übungen jeweils 10- bis 15-mal in zwei bis drei Sätzen. Fallen Ihnen die Übungen leicht, steigern Sie Gewicht und Intensität. Sport muss natürlich auch Spaß machen. Wählen Sie jene Sportarten, die Ihnen Freude machen. Hören Sie beim Sport immer auf Ihren Körper und achten Sie auf Warnsignale. Treten während des Sports oder danach wiederholt Schmerzen auf, dann sollte man auf eine andere Bewegungsart umsteigen.